Lithium-Abbau im Osterzgebirge – Pro und Contra

In unserem Landkreis SOE an der deutsch-tschechischen Grenze in Zinnwald/Cinovec wird der Abbau von Lithium durch eine internationale Unternehmensgruppe „Zinnwald Lithium Plc“ geplant. Parallel dazu und unabhängig davon werden auf der anderen Seite der Grenze vom Unternehmen Geomet s.r.o. die Bergbauplanungen am selben Erzkörper vorangetrieben. 

Auf deutscher Seite wurden bereits Probebohrungen durchgeführt und im März 2025 eine vorläufige Machbarkeitsstudie vorgelegt. Aktuell laufen das Scoping-Verfahren und die Raumverträglichkeitsprüfung. 

Lithium – Wo bekommen wir es her?

Lithium ist von strategischer Bedeutung, u. a. für die Elektromobilität. Deutschland bezieht bisher den Rohstoff aus Australien, Chile und China. Es strebt aber mehr Unabhängigkeit von solchen Importen an. Die EU möchte künftig einen Teil des Lithiums in Europa fördern lassen. 

Im Mai 2024 ist der europäische Critical Raw Materials Act (CRMA) in Kraft getreten. Die in den Mitgliedstaaten unmittelbar geltende EU-Verordnung sieht eine Reihe von Maßnahmen im Hinblick auf kritische und strategische Rohstoffe vor. Lithium ist als kritischer Rohstoff Teil dieser Verordnung. 

Auf Antrag der Projektträger erkennt die EU-Kommission Projekte im Bereich der Gewinnung, Verarbeitung oder Recycling bzw. Rückgewinnung kritischer Rohstoffe als „strategische Projekte“ an, wenn sie die im CRMA festgelegten Kriterien erfüllen. Die strategischen Projekte verfügen über einen Prioritätsstatus und sollen von den Regeln der Genehmigungsbeschleunigung profitieren. 

Das Projekt in Zinnwald wurde bisher nicht als strategisches Projekt der EU ausgewählt. 

Eine Abwägung von Gefahren und Interessen

Mit dem Abbau im Osterzgebirge wird es zu starken Eingriffen in die Natur kommen. Große Teile der Region stehen unter Naturschutz und verfügen über eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Die Orchideenwiesen im Bielatal, Zugvögelschwärme auf der Liebenauer Höhe mit Arten, die nur noch hier dokumentiert werden, lassen immer wieder staunen. Sonnentau, Knabenkraut, Siebenstern und Sumpfveilchen sowie verschiedene Gräser sind hier noch zu finden. Auf dem Erzgebirgskamm bei Zinnwald und Cínovec befindet sich ein Hochmoor von europaweiter Bedeutung. 

Eine Abwägung zwischen berechtigten ökonomischen Interessen und dem Bewahren der ökologischen Lebensgrundlagen im Osterzgebirge ist zu führen. 

Die Sicherung unserer Rohstoffunabhängigkeit durch heimischen Abbau ist zweifellos von großer Bedeutung. Allerdings stellen sich bei diesem Vorhaben jenseits ökologischer Belange auch in wirtschaftlicher, fachlicher und ethischer Hinsicht gravierende Fragen. Der vorgefundene Gesteinskörper gilt mit einem Lithiumgehalt von 0,2-0,3 % als erzarm. Konkurrierende Lithium-Projekte in Europa haben einen deutliche höheren Lithiumanteil im Erz. 

Ökonomisch scheint dieses Projekt beim derzeitigen Lithiumpreis nicht sinnvoll. Die Firma Zinnwald Lithium geht deshalb auch bei ihrer vorläufigen Machbarkeitsstudie von einen mehr als zweieinhalbfachen Lithiumpreis aus, was man als unrealistisch beurteilen muss. Windräder, Solarmodule und Batterien von Elektroautos – sie alle stehen für grüne Energie. Doch für ihre Herstellung braucht es große Mengen an Metallen wie Lithium, Kupfer, Nickel oder Kobalt. Für ein Windrad werden bis zu 30 Tonnen Kupfer benötigt, in einer Autobatterie bis zu 10 kg Lithium. Durch die Energiewende wird der Bergbau weltweit intensiviert. Das führt zwangsläufig zu mehr ökologischen Schäden. Und auch die gesundheitlichen Folgen für Beschäftigte und Anwohner von Abraumhalden sind nicht vernachlässigbar. 

Man kommt beim Abbau der für die Energiewende benötigten Mineralien auch schnell an planetare Grenzen. Schlicht gesagt, scheitert wahrscheinlich schon die Umstellung des gesamten Individualverkehrs auf Elektromobilität an dem auf unseren Planeten verfügbaren Lithium. Daraus folgt zwangsläufig, dass der ÖPNV in Zukunft eine Hauptbedeutung in der Mobilität haben sollte. Recyceln von Rohstoffen, wie Lithium aus alten Autobatterien, wird ebenso an Bedeutung gewinnen. 

Spätestens ab 2030 sollen in Zinnwald jährlich bis zu 3 Millionen Tonnen Gestein auf deutscher Seite gefördert werden. 30 bis 40 Prozent der Sande bleiben nach der Abscheidung des Lithiums übrig. Sie würden auf einer Spülkippe bei Bärenstein oder auf einer Halde bei Liebenau im Quellgebiet von Seidewitz und Trebnitz (derzeit Vorzugsvariante) abgelagert werden. Hinzu kommen jährlich bis zu 3,2 Millionen Tonnen Gestein auf tschechischer Seite, die das Unternehmen Geomet s.r.o. heben soll. Der geplante Lithiumabbau stellt somit selbst Fördermengen ehemaliger Betriebe wie „Zinnerz Altenberg“ oder der Wismut in den Schatten. 

Einladung zu Vortrag und Gespräch

Wir laden alle Interessierten herzlich zur Veranstaltung „Grüner Tee im Grünen Laden“ zum Thema „Lithiumabbau im Osterzgebirge – Pro und Contra“ am 26.09.2025 um 17:00 Uhr ein. Der „Grüne Laden“ befindet sich in der Schloßstraße 4. Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei.

 

Mario Noack