In der Ratssitzung am 03.02.2026 wurde mit einer Mehrheit der Stadträte von AfD, FW und Stadtrat Kurth eine weitere Kooperation der Stadt mit dem Verein Aktion Zivilcourage (AZ) bei der Durchführung des Marktes der Kulturen (MdK) abgelehnt. Des Pudels Kern stellte dabei die Nichtbewilligung von 10.000 € zur Unterstützung des MdK dar.
Die Diskussion geht weiter.
Die Diskussion um den MdK geht auch nach der Ratssitzung weiter. Die FW vertreten die Ansicht, der inhaltliche Fokus des MdK wirke „unscharf und politisch einseitig“ und es gäbe Entwicklungspotenzial um den „kulturellen Querschnitt Pirnas“ angemessener abzubilden. Die AfD wiederholt das eifrig auf ihrer Facebook-Seite.
Wir fragen uns, was der „kulturelle Querschnitt Pirnas“ eigentlich sein soll. Und, angenommen, es gäbe einen solchen, ob eine einzige Veranstaltung ihn liefern könnte. Oder ob es nicht viele dafür brauchen würde?
Schon der Name „Markt der Kulturen“ weist darauf hin, dass es in Pirna nicht die eine Kultur gibt. Das ist in einer hoch individualisierten, pluralen Gesellschaft mit Einwanderung auch gar nicht möglich.
Offene Räume und Grenzen
Entscheidend ist doch, ob ein Veranstalter einen Markt oder ein Fest organisieren kann, das eine vernünftige Atmosphäre bietet, verschiedene Debatten und Blickwinkel ermöglicht und eine kulturelle Inspiration ist. Dann können einige sagen, das gefällt mir nicht, ich hätte mir noch dies und das gewünscht. Andere finden es toll und erfreuen sich an den vielen Vereinen, Initiativen, Handwerkerständen und auch Parteien, mit denen man auf Augenhöhe ins Gespräch kommen kann.
Wir halten es für eine zivilisatorische Errungenschaft, dass Kunst und Kultur sich frei entwickeln können, verschiedene Perspektiven bieten und keine vorgeschriebene Position oder einen bestimmten Geschmack bedienen müssen. Die Grenze verläuft nicht dort, wo es jemandem nicht gefällt oder „unscharf“ ist, sondern wir haben als freie und offene Gesellschaft strafrechtliche Grenzen. Die sind klar.
Nun gibt es aber im Stadtrat Mandatsträger*innen, die ganz bestimmte Vorlieben und Vorstellungen haben, wie ein solcher Markt auszusehen hat. Und weil sie diejenigen sind, die das Geld bewilligen, verweigern sie die Unterstützung. Dazu sind sie befugt. Sie verweigern, weil sie es können. Wenn sie ihre Mehrheit nicht einsetzen können, glänzen sie mit Abwesenheit. Seltsames Verständnis demokratischer Prozesse!
Wie geht es weiter?
Wir wissen noch nicht, wie es mit dem MdK weitergeht. Vielleicht kann er in kleinerer Form überleben. Es wäre Pirna zu wünschen. Wichtig für das Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt ist, dass es weiterhin solche offenen Räume gibt, in denen wir gesellschaftlich aushandeln können, was uns wichtig ist, worum wir uns kümmern und wie wir leben wollen. In denen wir unbeschwert fröhlich sein können. In denen Chöre, Kinder aus der Musikschule und kleine Akrobaten zeigen können, was sie draufhaben. In denen die Freiheit der Kunst und der Kultur(en) weiter besteht. Alle sind eingeladen, sich zu beteiligen.
Zum Schluss noch ein Beitrag auf Insta aus Stolpen: Man bekommt, was man wählt!
21 Jahre lang war der „Markt der Kulturen“ Pirna ein Ort der Begegnung: Musik, Gespräche, Kinderlachen, unterschiedliche Sprachen und gemeinsame Momente. Nun endet diese Zusammenarbeit durch einen politischen Beschluss.
Unsere Solidarität gehört der Aktion Zivilcourage für Ihren Einsatz für Toleranz, Dialog und kulturelle Vielfalt.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Bärbel Falke
