Die Absicht, in Heidenau das Erinnern an den Holocaust auf den Friedhof zu verbannen, ist ein unglaublich geschichtsvergessener Vorgang.
Die übergroße Mehrheit der Menschen, sowohl unter der Nazi-Diktatur als auch der SED-Diktatur, hatte es sich in einer angepassten Bequemlichkeit eingerichtet. Es ist bequem, sich Entscheidungen abnehmen zu lassen, Probleme und Konflikte sich in Schwarz oder Weiß mit einfachen Lösungen erklären und „lösen“ zu lassen, Wegschauen zu können, wenn Unrecht geschah, oder in einer angeblich demokratischen Mehrheit Ausgrenzung, Rassismus und Verbrechen zuzulassen. Auch diese Bequemlichkeit hat das Unrecht der Diktaturen erst möglich gemacht.
Es sei bemerkt, dass die „Entzauberung“ der Nazi-Diktatur 12 Jahre gedauert und 65 Mio. Tote, darunter 6 Mio. ermordete Jüdinnen und Juden, und die SED-Diktatur 40 Jahre gedauert und unzählige Verfolgte, Verhaftete und Opfer gekostet hat.
Die Stolpersteine gehören dorthin, wo diese Verbrechen damals geschahen: nämlich mitten in die Gesellschaft, unter die Augen der Nachbarn, der Arbeitskollegen, der Vereine, der Kirchen, von denen die allermeisten bequem weggeschaut haben.
Das Ansinnen des Heidenauer Stadtrats ist der erste Schritt zum erneuten Wegschauen, zur Bereitung dieser Bequemlichkeit.
Es darf nicht zugelassen werden, dass die unbequeme Erinnerung an den Holocaust in eine bequeme Ecke des Friedhofs verbannt wird.
Denn gerade in diesen Zeiten, in denen sich die Demokratie unbequem zeigt, wird der Ruf nach solcher Bequemlichkeit einer nun blauen Diktatur wieder laut.
Pirna, 27.09.2026. Dr. S. Gilbert
