Nachberichte sind ja so eine Sache. Die Veranstaltung ist vorbei, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten, wenn es gut lief, einen unterhaltsamen oder erkenntnisreichen Abend. Dann folgt die volle Konzentration auf den nächsten Tag und seine Anforderungen.
Dennoch klingt etwas nach vom Abend am Freitag (09.10.26), vom Grünen Tee im Grünen Laden. Das Thema der Veranstaltung: „KI – Allheilmittel und Teufelswerk. Unsere Gesellschaft im Umbruch.“
In der Innenstadt von Pirna fand im Fackelschein der WGP – Citylauf statt. Im Grünen Laden referierte die Spezialistin für E – Learnings und E – Assessments, Dr. Anne Jantos, zum Hype um die KI. Sie zeigte Kurven der Entwicklung neuer Technologien und die beiden Seiten, die jede technische Neuerung in sich birgt, die der Mensch steuern kann.
Zum Glück versuchte die Referentin gar nicht erst in einem langen Vortrag, alle Chancen und Gefahren umfassend zu erläutern, sondern konzentrierte sich auf wesentliche Denkanstöße für die folgende Diskussion.
In der wurde schnell klar, dass wir fast alle Nutzer von KI sind. Und uns damit der einhergehenden Probleme durchaus bewusst waren:
- ungebremster Verbrauchs großer Energie- und Wassermengen
- Sicherheitslücken
- intransparente Quellen
- Nichtbeachtung von Datenschutz und Urheberrecht
- Desinformation
- Folgen für den Arbeitsmarkt mit dem Wegfall von Jobs
- katastrophale Bedingungen, unter denen Menschen, Sklaven ähnlich, riesige Datenmengen anschauen, filtern, zuordnen müssen.
Wir sind uns dessen bewusst, nutzen KI aber dennoch. Das ist das Paradox. Wir versuchen die Nutzung zu beschränken, was schon mal gut ist. Wir versuchen keine Videos zu erstellen, die riesige Energiemengen kosten. Aber Anfragen haben wir schon. Wir lieben es, wenn Prozesse superschnell ablaufen, wenn langweilige Prozeduren in Sekundenschnelle für uns erledigt werden. Wir lieben es, wenn wir bestätigt werden, wenn alles bequem beschafft werden kann.
Doch wie soll eine Gesellschaft der Zukunft aussehen, in der alle Informationen sofort verfügbar sind? Wie soll Lernen organisiert werden, wer braucht noch Lehrerinnen und Ärzte, Schriftstellerinnen und Musiker, unabhängige Journalistinnen?
Dabei würde die KI beim Wegfall all dieser menschlichen, kreativen Leistungen langfristig ihre eigenen Datengrundlagen untergraben. Denn die Suchmaschinen sind darauf angewiesen, dass Journalisten recherchieren und Wissenschaftlerinnen forschen. Die Schülerinnen und Schüler, die Patientinnen und Patienten sind darauf angewiesen, dass Lern- und Genesungsprozesse vernünftig und passfähig organisiert werden.
Den Antworten auf die oben stehenden Fragen können wir uns im Moment nur annähern. Und wie immer, wenn Menschen gemeinsam über etwas nachdenken, gibt es dystopische und hoffnungsvollere Antworten. Klar jedoch ist, dass wir, ähnlich wie in anderen Bereichen, bessere Sicherheitskontrollen, Qualitätskontrollen, Zulassungsverfahren und Haftungsregeln brauchen. Damit Firmen für KI – generierte Inhalte haften und damit Verantwortung übernehmen müssen. Und klar ist auch die Notwendigkeit, das eigene Nutzerverhalten weiter kritisch zu reflektieren. Das spiegelt auch die Haltung von Bündnis 90/ Die Grünen zur Verwendung von KI.
Wir danken Anne Jantos sehr für diesen inspirierenden Abend und die angenehme, kluge Begleitung unserer Diskussionsrunde. Wir danken Nadja Roeder für die Organisation und Moderation des Abends.
Bärbel Falke
