Von Dresden nach Belém, vom Alaun- zum Schlossplatz, der Zug der Menschen schwillt an, viele junge Menschen vorn, dazwischen und hinten, weltumspannend im globalen Klimastreik 2025. Solidarität in einer Zeit, da sich viele ausklinken, obwohl die Erde an etlichen Stellen im wahrsten Sinne des Wortes brennt und überhitzt. Ernsthafter Protest, laut hier und überall, weil es um die Zukunft geht. Die Hürde, nicht handeln zu müssen, zu können, zu wollen, in den meisten Fällen wider besseres Wissen, muss größer werden. Handeln, für ein sicheres Leben, Überleben zu sorgen, muss aus Gründen der Gerechtigkeit überall in der Welt für jeden Menschen möglich sein. Das ist das Ziel, auch des Drucks aus Dresden.

Wer, wenn nicht wir?!!

Wir erleben gerade jetzt eine schwierige Situation. Die Sprachlosigkeit, der Streit um neue Gaskraftwerke, Windkraftanlagen, Überland-Stromkabel, PV-Freiflächen-Anlagen, sich türmende Antragsunterlagen für große Batteriespeicher, fehlende Smart Grid-Stromzähler, die die intelligente Kommunikation innerhalb der Netze ermöglichen würden, fehlende Landflächen, Pflanzenteppiche und Ozeane, die als CO2-Senken dienen könnten, und vieles mehr hemmen die Energiewende und damit den Einfluss auf die Geschwindigkeit des menschengemachten Klimawandels.
Politisch beobachten wir Polarisierung und gesellschaftliche Zerstrittenheit. Vielleicht auch, weil wir davon überzeugt sind, dass uns hier in Deutschland noch nie so viele gute, technische Lösungen zur Verfügung stehen für den Kampf gegen den Klimawandel. Weil wir nicht einsehen wollen, dass man nicht in viel stärkerem Maße Synergien ausbilden kann, so dass die Verbrennung fossiler Energien in kürzester Zeit entfällt. Gut realisierbare, für alle bezahlbare, schnell erkennbar wirksame Maßnahmen müssen angewandt werden. Das Richtige schnell und in der Breite machen, muss die Vorgabe sein. Und das, was dem Klima, wissenschaftlich belegt, schadet, muss z. B. über Preisanreize eingedämmt werden. Dafür brauchen wir sofort die politischen Rahmenbedingungen. Ein Zurück, Taktieren und Zaudern müssen unterbleiben. Das hat Luisa Neubauer am gleichen Tag im Interview mit Tagesschau24 gut auf den Punkt gebracht.

Was, wenn nicht jetzt?!!
Die Kosten des Nicht-Handelns werden weltweit immer höher. Das Risiko, zu Schaden zu kommen, steigt mit jedem Tag und jedem CO2-Moleküle, das noch in die Atmosphäre geblasen wird, weil es dort mehrere 10.000 Jahre ausharrt und den Treibhaus-Effekt kumulativ vergrößert. Die Zahlen der Versicherungs- und der Bankenwirtschaft sprechen eine deutliche Sprache. Die Wippe zwischen „jetzt nicht handeln, weil man auf ein Wunder wartet“ und „überbordenden Kosten aufgrund von Tatenlosigkeit“ neigt sich zur wirtschaftlich gefährlichen Seite (s. auch „Globaler Klimastreik 2025“). Viele Länder nutzen nun weltweit ihre Chancen, technologisch an die Spitze der Energie- und Mobilitätswende zu kommen und damit auch neue Geschäftsmodelle zu generieren. Und Deutschland? Forderungen im politischen Raum
- nach dem „Verbrenner-Aus“,
- nach der Abkehr vom EU-Zertifikate-Handel in der beschlossenen Preisstruktur,
- nach der Beschränkung privater PV-Nutzung, wo sie gerade boomt und Energie-Sharing in Mehrfamilienhäusern endlich realisierbar ist,
- für Gaskraftwerke mit neuen Importabhängigkeiten anstelle von Großbatteriespeichern,
markieren u.a. Entwicklungen, die das Gegenteil des Notwendigen bewirken.
Die Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel bringt dies in einem beachtenswerten Interview mit Jessica Welmer in den Tagesthemen am 10.11.2025 quasi am Vorabend des globalen Klimastreiks von Fridays for Future und des COP 30-Kongresses in Belém zum Ausdruck.

Dieter Wiebusch
