Symbolisch verlegte Stolpersteine für Heidenau und die Erinnerung

Ein Mahngang durch die Straßen von Heidenau/Sachsen zu ehemaligen Stätten jüdischen Lebens. Warum?

Der Heidenauer Stadtrat hatte am 24.09.2026 mehrheitlich beschlossen (s. unser Artikel „Damals aus der Nachbarschaft gerissen! – Jetzt aus der Erinnerung getilgt?“), dass zukünftig im Straßenraum der Stadt keine weiteren Stolpersteine verlegt werden dürfen. Diese Entscheidung von AfD-, CDU- und BOD-Ratsmitgliedern stieß bundesweit und sogar international auf großes Medieninteresse, alle großen Zeitungen und Rundfunkstationen berichteten über diesen unsäglichen Beschluss.

Das Alternative Kultur- und Bildungs-Zentrum Pirna (AKuBiZ) hatte als Reaktion auf den Beschluss zur Veranstaltung am 04.10. eingeladen. Die Mitarbeiter*innen im Zentrum hatten in der Vergangenheit immer wieder die Geschichte jüdischer Familien in Heidenau aufgearbeitet und die Verlegung weiterer Stolpersteine vorbereitet. Mit dem Mahngang am Sonntagnachmittag sollte ein Zeichen gesetzt und an die Schicksale der Menschen erinnert werden, für die in Heidenau nun erst einmal keine Stolpersteine mehr an den letzten Stätten ihres freien Lebens verlegt werden dürfen.

Ca. 200 Menschen, darunter auch Vertreter*innen von Bündnis 90 / Die Grünen aus Pirna, versammelten sich am Sonntag, den 4. Oktober 2026, zunächst vor dem Heidenauer Rathaus, um am Stolperstein für den ehemaligen SPD-Bürgermeister Paul Gröger Blumen niederzulegen.

Hier konfrontierte die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Dresden, Ekatarina Kulakova, alle Anwesenden mit der Frage „Ist es schon wieder soweit?“. Dass jüdisches Leben und jüdische Schicksale an den Rand gedrängt werden? Ähnlich mahnend sprach auch die Pfarrerin der evangelischen Kirche Heidenau, Erdmute Gustke, sowie ein Angehöriger einer ursprünglich jüdischen Familie. Er beschrieb, welch wichtiger Schritt es für seine Familie war, mit dem Stolperstein endlich einen Erinnerungsort zu haben, an dem die Familie der verfolgten und ermordeten Familienangehörigen gedenken kann.

Im Verlauf des Mahngangs wurde an jeder neuen, recherchierten Adresse ein symbolischer Stolperstein auf das Pflaster gelegt. Mit einfühlsamen Worten, Musik und Blumen wurde der Schicksale dieser jüdischen Menschen gedacht.