KWP für Pirna – wir müssen reden (3): Auch 2045 wird’s kuschelig warm in der Stube!

Wir haben die große Chance, eine gute Lösung für die zukünftige Wärmeversorgung der Gebäude in Pirna zu erreichen. Hoffnungsvoll ist: Wenn wir es klug anstellen, funktioniert es, ohne uns wirtschaftlich zu überfordern. Es muss/kann nur gelingen in Gemeinschaft aller Bewohner*innen von Pirna, mit vereinten Kräften vieler örtlicher Handwerksbetriebe, mit Unterstützung der Gewerbetreibenden, in Kooperation mit den Stadtwerken und der Wohnungswirtschaft, begleitet durch die Beschlüsse des Rates und Umsetzungen der Stadtverwaltung. Allerdings wird es nur gehen mit Kompromissbereitschaft, denn die perfekte Lösung für jede/n wird es nicht geben. Wir begrüßen, dass der Abschlussbericht endlich im Rat angelangt ist und werden uns für in die Zukunft weisende Beschlüsse auf der Grundlage der Planung einsetzen.

Die „kommunale Wärmeplanung (KWP)“ [Download 29.01.2026], die am 03.02.26 im öffentlichen Teil der Ratssitzung [zuletzt geprüft 31.01.26, 12.50 h] beschlossen werden soll, benennt einige wichtige Voraussetzungen. Der Veränderungsprozess von heute bis 2045 fußt nämlich darauf, dass

  • es die Eigentümer*innen der 10.701 Gebäude in Pirna schaffen, ihr Eigentum energetisch zu sanieren und effizienter zu erwärmen,

 

  • anstelle von Heizöl oder Erdgas zu 100% regenerative Energieträger in der zentralen wie auch dezentralen Wärmeversorgung eingesetzt werden,

 

  • es den Stadtwerken gelingt, die Anschlusszahlen (in den bestehenden Fernwärmenetzen) zu erhöhen, die Netze auszubauen und neue Leitungen mit hohen Wärmeliniendichten in den Prüfgebieten zu realisieren; gleichzeitig muss ein neuer Mix aus Energieträgern erschlossen werden,

 

  • die Potenziale der Sonnen-PV-Absorption, der Solar- bzw. Geothermie, der Biomasse-Vergasung, der Flusswasser / Seewasser-Wärme, der Abwärme unseres Abwassers oder aus industriellen Prozessen von allen Beteiligten optimal ausgeschöpft werden,

  • wir viele kluge Wege finden, die hohen Investitionskosten, die Bürger*innen (zu großen Teilen beteiligt an immerhin 603 Mio. €) und öffentliche Hand (mindestens 143 Mio. €) im Laufe der Zeit aufbringen müssen, sozial verträglich zu stemmen. Die gezeigten Werte sind z. Zt. noch mit einer hohen Unsicherheit verbunden, weil z. B. die Kosten von PV-Solarthermie-Modulen, die Verlegekosten für Fern-/Nahwärmerohre im Straßenbett oder der Aufwand für Freiflächen nicht abschließend zur Verfügung stehen. Im Bericht heißt es: „Die Umsetzung der Wärmetransformation ist mit erheblichen Investitionen verbunden, sowohl im Bereich des Infrastrukturausbaus, der Gebäudesanierung wie auch der dezentralen und zentralen Technologiewechsel. Demgegenüber stehen vermiedene Ersatzkosten fossiler (Kessel-)Anlagen, vermiedene bzw. reduzierte Brennstoffeinsätze sowie Förderprogramme zur Abminderung der Umstellungskosten.“

 

 

Wir alle sorgen für zukünftige Generationen vor.

Wenn wir diese Planung zum Erwärmen unserer Wohnungen und Gebäude durch gemeinsame Anstrengungen bis 2045 umgesetzt haben, wird die jährliche Emission von klimaschädlichem Kohlen(stoff)dioxid (CO2) in die Atmosphäre voraussichtlich um ca. 95 % sinken. Und schon auf dem Weg dahin jährlich deutlich gesunken sein. Das ist aller Mühen wert. Es trägt dazu bei, dass unsere Kindeskinder dieselben Freiheiten genießen können, wie wir sie jetzt haben.

 

Wir fordern die Planer auf, dies konzentriert (planvoll) und konzertiert (gemeinsam mit den Bürger*innen) so schnell wie möglich anzugehen. Weil sich die klimaschädlichen CO2-Moleküle in der Atmosphäre anhäufen und die Wahrscheinlichkeit für Kipppunkte rapide ansteigt (Entwicklungen, die nicht wieder umkehrbar sind [z. B. Abschmelzen von Eismassen in der Arktis / Antarktis]). Schon jetzt sind Schäden (z. B. im Ahrtal oder in Spanien) und Flüchtlingswanderungen (z. B. in Zentralafrika) weltweit zu beobachten, die die körperliche und wirtschaftliche Existenz von Menschen in ihren Staaten extrem bedrohen.

Das Aufheizen unserer Innenstadt an Frühjahrs-, Sommer- und Herbsttagen, die Dürre in unseren Gärten und Wäldern sind ja nur ein kleiner „Vorgeschmack“ darauf. Vorsorge bedeutet Freiheit, zu atmen, zu gehen, eigenständig zu entscheiden, zu leben – natürlich in der Verantwortung für die Mitmenschen. Und Vorsorge ist allemal billiger als der Verlust an Menschenleben und der Aufwand für Reparaturen. Das zeigen jetzt schon die Zahlen der großen Versicherungsunternehmen [zuletzt geprüft 31.01.26, 12.50 h], die für die Schäden der letzten Unwetterjahre weltweit aufkommen müssen.

Leider sind laut der „kommunalen Wärmeplanung“ 4.400 bis 5.000 t an jährlichen CO2-Emissionen aus der Wärmeversorgung Pirnas unvermeidbar. Sie können wir nur durch eine Vielzahl an Wasserflächen und vernässten Grünflächen, an bestellten Äckern, an Wiesen, Koppeln und Gärten, an Bäumen, Hecken und Sträuchern im Stadtgebiet kompensieren. Deshalb ist z. B. „Pirna 800“ eine so wichtige Aktion.

Was folgt nun?
  • Rund 350 Gebäude sind an die beiden Fernwärmenetze im Zentrum/auf dem Sonnenstein und in Copitz angeschlossen, werden zentral versorgt. In der Summe verbleiben ca. 10.350 Gebäude, die zumeist drumherum angrenzen und dezentral versorgt werden. In den derzeitigen Wärmenetzgebieten liegt parallel ein Gasnetz an, das sich dann solo in die blau gekennzeichneten, dezentralen Versorgungsgebiete erstreckt. Diese Fragen werden für Eigentümer*innen der Gebäude sowie auch Mieter*innen in beiden Gebieten finanziell bedeutsam sein: Wie attraktiv ist der Fernwärmeanschluss anstelle eines Gasanschlusses, der bisher für Raumwärme wie auch Kochen benutzt wird? Wenn Wasserstoff wegen der Angebotsabhängigkeit und seines ziemlich sicher unattraktiven Preises nicht durch die Leitungen strömt, wann und wie geordnet wird dann das bestehende Gasnetz im Zentrum / in der Peripherie stillgelegt? Welche Hilfen stehen in den Übergangsphasen zur Verfügung?
  • Fernwärme überall zu haben, wäre eigentlich volkswirtschaftlich ideal. In 10.350 Gebäuden müsste sich niemand um die Konzeption, die Anschaffung und Wartung einer Heizung kümmern, sondern könnte mit seinem / ihrem Geld anderen Beschäftigungen nachgehen. Wenn man sich die Situation in der Ukraine vor Augen führt, wird man sich evtl. aus Sicherheitsgründen gegen die Zentralisierung entscheiden. Was soll passieren, um die Zahlen der Wärmeliniendichte an bestehenden oder neuen Fernwärmerohren zu erhöhen? Schließlich werden die Gesamtkosten auf die Teilnehmer*innen umgelegt – je höher die Zahlen, desto günstiger ist’s für den/die einzelne/n. Können in bestehenden oder zukünftigen Siedlungsgebieten eigenständig, z. B. auch genossenschaftlich, Nahwärmenetze (ähnlich wie in Graupa, als Warm- oder Kaltnetz) aufgebaut oder auch finanziert werden? Wann gibt es dafür Planungssicherheit?
  • Die Situation in/an den Gebieten, die als Ausbau- oder Prüfgebiete geführt sind, ist sowohl für die Eigentümer*innen als auch die Bewohner*innen finanziell ungewiss. Wie sieht der Zeitstrahl aus? Wovon wird die Entscheidung jeweils abhängig sein? Welche strategischen Setzungen der Projektierer*innen bestimmen die Richtung und Priorisierung der baulichen Tätigkeiten? Welchen Einfluss auf den Prozess sollen Hinweise der Bürger*innen haben?
  • Unter „Umsetzungsstrategien und Maßnahmen“ wird die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Bürger*innen eher gestreift. Wann und wie soll die „Informationsoffensive“ erfolgen? Welche Priorität besitzt dies im Bezug auf andere Maßnahmen? Welche Ideen verfolgt die Stadtverwaltung, die Bürger*innen bei ihren baulichen wie auch finanziellen Überlegungen durch kontinuierliche und systematische Angebote an Beratung vor Ort zu unterstützen?

Der Abschlussbericht „Kommunaler Wärmeplan Stadt Pirna“ liegt jetzt vor. Wenn der Rat ihn durch Beschluss annimmt, ist er eine Planungsleitlinie in die Zukunft. Er umfasst 102 Seiten. Er enthält sehr viele Informationen zu unterschiedlichen Bereichen rund um die Wärmeversorgung in Pirna. Wir laden Sie ein, ihn in Ergänzung unserer Artikel in der Homepage (Räte verweigern Bürger-Infos und Neuausbau und Prüfgebiete werden spannend sein) zur Kenntnis zu nehmen.

Das Lesen wird möglicherweise zu weiteren Fragen führen. Wir möchten sie aufnehmen, mit Ihnen diskutieren, um evtl. für ein befriedigendes Verständnis zu sorgen oder zu vermitteln. Achten Sie bitte demnächst auf unsere Gesprächsangebote.

 

Dieter Wiebusch

 

 

Quellenangabe, besonders für die Abbildungen:

„Kommunaler Wärmeplan Stadt Pirna“, Nov. 2024,

bearbeitet durch

  • EEB ENERKO Energiewirtschaftliche Beratung GmbH, Aldenhoven
  • greenventory GmbH, Freiburg im Breisgau

im Auftrag der Stadtverwaltung Pirna